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Artenschutz & Jagd

Artenschutz & Jagd

Artenschutz und Jagd. Diese zwei Bereiche sind untrennbar miteinander verbunden. Das wurde mir, als Nichtjäger, ziemlich schnell klar, als ich begann, mich mit den beiden Themenbereichen auseinanderzusetzen. Genauso schnell stieß ich auf den Fakt, dass seit Inkrafttreten des Bundesjagdgesetzes im Jahre 1952 kein Tier, das dem deutschen Jagdrecht unterliegt, ausgestorben ist. 

Seeadler sind majestätische Tiere. Sie in freier Wildbahn erleben zu dürfen, gleicht einem Geschenk. Besonders wenn man bedenkt, dass sie im letzten Jahrhundert lange vom Aussterben bedroht waren. Unter anderem Jägerinnen und Jäger haben in den vergangenen Jahrzehnten einen beachtlichen, finanziellen Beitrag in den Artenschutz dieser Tiere investiert. Und durch viele regionale Hegemaßnahmen, konnten sich die Bestände der Seeadler wieder erholen, was letzten Endes dazu führte, dass diese Tiere von der Liste der bedrohten Tierarten genommen werden konnte. 

In Anbetracht dessen, kann sich sicherlich jeder einigermaßen gut vorstellen, wie überrascht ich war, als ich vor einiger Zeit ein Seeadlerpärchen in einem Baum entdeckte. Zu jenem Zeitpunkt glaubte ich, unfassbares Glück zu haben, da ich davon ausging, die Tiere wären lediglich auf der Durchreise. Doch als ich vor einigen Wochen wiederholt einen der Seeadler am Himmel kreisen sehen konnte, kam in mir der Verdacht auf, die Tiere könnten sich hier, irgendwo, angesiedelt haben. 

Einige Tage später erzählte ich einem mir bekannten Jäger von der Sichtung. Einem Jäger, dessen Revier sich genau dort befindet, wo ich die Seeadler beobachten konnte. Im Gegensatz zu mir, war er nicht sonderlich überrascht. Er wusste längst, dass die Seeadler zurückgekommen und hier irgendwo heimisch geworden sind. 

Artenschutz und Jagd

Der Seeadler gehört, nach §2 Punkt 4 des Bundesjagdgesetz, zu den Tieren, die in Deutschland dem Jagdrecht unterliegen. Allerdings genießt er, wie z.B. der Fischotter, der Schneehase oder auch der Graureiher eine ganzjährige Schonzeit. Unter dem Begriff Schonzeit verstehen Jägerinnen und Jäger die Zeit im Jahr, in der bestimmte Wildarten nicht bejagt werden dürfen. Im Grunde genommen kann man sagen, dass die Schonzeit regelmäßig mindestens die Zeit umfasst, die für die Geburt und die Aufzucht der Jungtiere gebraucht wird. Oft fällt auch die Paarungszeit in die Schonzeit. Allerdings gilt sie nicht zwingend für beide Elternteile. So darf zum Beispiel beim Rehwild der Rehbock bereits bejagt werden, während die Ricke, das weibliche Tier, das oder die Jungtiere aufzieht. 

Genießt ein Tier ganzjährig Schonzeit bedeutet das nichts anderes, als das dieses Tier an keinem Tag im Jahr bejagt werden darf. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, könnte nun natürlich der Verdacht aufkommen, dass die Tiere, die eine ganzjährige Schonzeit genießen für die Jägerinnen und Jäger gänzlich uninteressant und nicht wirklich beachtenswert sind. Aber dieser Verdacht ist in den meisten Fällen vollkommen falsch.  

Artenschutz und Jagd
Eine Wild-Ruhezone, die von Jägerinnen und Jägern angelegt wurde, dient tatsächlich nicht nur dem jagdbaren Wild.

Tatsächlich sind Artenschutz und Jagd fest miteinander verbunden, denn ohne eine intakte und artenreiche Natur ist die Jagd nicht möglich. Darüber hinaus sind Jäger dazu verpflichtet, artenreiche und auch gesunde Wildbestände zu erhalten. Das bedeutet, dass auch wenn Seeadler, Fischotter oder Graureiher nicht bejagt werden dürfen und ganzjährig unter Schutz stehen, ist es die Pflicht der Jägerinnen und Jäger für den Erhalt und die Pflege dieser Tiere zu sorgen. 

Verankert ist dieses im 1. Paragraphen des Bundesjagdgesetzes. Dort heißt es: Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur Hege verbunden. Unter dem Begriff Hege sind alle Maßnahmen zusammengefasst, die zur Sicherung und Pflege der Lebensgrundlage unserer Wildtiere beitragen. Dementsprechend setzt der Begriff „Hege“ natürlich den respektvollen Umgang mit den Tieren, als auch mit allen verschiedenen Gattungen voraus. Allerdings ist das Thema „Hege“ insgesamt etwas umfangreicher, dass ich an anderer Stelle ausführlicher darauf eingehen werde.

Um die Hege im Revier gewährleisten zu können, müssen Jägerinnen und Jäger demnach einiges tun. So legen sie z.B. Wildäcker an, schaffen Wildäsungsflächen, verbessern Biotope, pflanzen Hecken, renaturieren Bachläufe, richten spezielle Ruhezonen für das Wild ein und verstärken die Schutzzonen, in denen das Wild Deckung finden kann. Diese Maßnahmen kommen dann langfristig nicht nur dem jagdbaren Wild zugute. Auch das Wild, das nicht bejagt wird, Insekten und auch Pflanzen profitieren von diesen Arbeiten. Und sie belegen, dass Artenschutz und Jagd hierzulande untrennbar miteinander verbunden sind. Jägerinnen und Jäger leisten einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz. Und dieses lässt sich, in etwa, auch in Zahlen darlegen.  

Artenschutz kostet Geld

Artenschutz kostet Geld. Die verschiedenen Maßnahmen in den einzelnen Revieren ebenfalls. Und dieses Geld, welches für die Natur- und Artenschutzmaßnahmen in den Revieren kommt, fließt meist aus den Taschen der Jägerinnen und Jäger. Eine Mitgliederbefragung des DJV aus dem Jahre 2016 ergab, dass jede Jägerin und jeder Jäger im Jahr durchschnittlich 220 Euro für die Biotoppflege bzw. den Natur- und Artenschutz im eigenen Revier ausgibt. Betrachtet man diese Zahl und geht dabei ungefähr von 400.000 Jagenden in Deutschland aus, kommt man auf eine Summe von etwa 88 Millionen Euro. 88 Millionen Euro, die jährlich von Jägerinnen und Jägern für den Naturschutz und artenerhaltende Maßnahmen ausgegeben wird. Diese Summe zeigt, dass Artenschutz und Jagd wirklich sehr stark miteinander verbunden sind.   

Heute gehe ich mit anderen Augen durch die Natur. Ich achte auf die Feinheiten. Und neben den Ansitzen, Kanzeln und Hochsitzen entdecke ich immer wieder die Spuren, die Jägerinnen und Jäger hinterlassen haben. Kleine Hecken, Ruhezonen, Wildäsungsflächen. In den Frühlings- und Sommermonaten sehe ich an den Randstreifen der Ackerflächen blühende Pflanzen, auf denen sich Bienen, Hummeln und andere Insekten tummeln. Insekten, die wiederum für verschiedene Vögel Nahrung bieten. Ich sehe Maßnahmen, die von Menschen ergriffen wurden um kleine, artenreiche und vielfältige Naturlandschaften inmitten unserer Kulturlandschaft zu erhalten.   

Artenschutz und Jagd sind miteinander verbunden. Hierzulande untrennbar. Auch wenn der Abschuss ein Teil der Jagd ist, ist er verglichen mit den vielen Arbeiten und Aufgaben, die mit der Jagd einhergehen, nur ein geringer Teil. Und selbst hier basiert die Jagd auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit: Es werden nur so viele Tiere entnommen, wie langfristig nachkommen. Auch diese Tatsache ist durch das Bundesjagdgesetz geregelt und es zeigt, dass die Jagd wichtig ist.    

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