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Draußen vor der Tür

Draußen vor der Tür

Am liebsten bin ich draußen. Draußen vor der Tür. An der frischen Luft. Abseits der Straßen und weit entfernt von den Häusern des Dorfes, in dem ich lebe. Einfach nur draußen vor der Tür. Da, wo die wirklichen Abenteuer stattfinden, auch wenn sie noch so klein erscheinen. Da bin ich am liebsten unterwegs. Entweder mit meinem Hund oder mit meiner Kamera. Beides ist manchmal schwierig.

Ich klicke ein letztes Mal auf Speichern. Dann schalte ich den Rechner aus und entscheide mich dazu, das Ende meines Arbeitstages zu begehen. Ein verfrühtes Ende an diesem Tag. Es ist der 30. April 2021. Ein Tag vor dem ersten Mai. In früheren Jahren haben wir an diesem Tag einen Maibaum gesetzt. Das ist in diesem Jahr nicht möglich. Auch größere Reisen fallen flach. Ich habe also nichts geplant, schaue nach draußen und sehe, dass das Wetter einigermaßen in Ordnung ist. Es könnte besser sein. Allerdings auch schlechter.  

In diesem Moment packt mich die Lust, raus zu gehen. Draußen vor der Tür finden einfach immer spannendere Dinge statt als an meinem Schreibtisch. Also packe ich meine Kameras in meinen Rucksack, schnüre meine Schnürsenkel fest und ziehe los. Andor, mein Hund, bleibt erstmal zu Hause. Es ist Leinenpflicht und wenn ich fotografieren möchte, fällt es mir schwer den Hund zu halten. In irgendwo anzubinden und ihn dazu zu zwingen zu warten, bis ich fertig bin, gefällt mir nicht. Ihm auch nicht. Außerdem liegt er dösend in seinem Körbchen und schläft. Später werde ich eine ausgedehnte Runde mit ihm gehen, ihm zusätzlich hier und da etwas Kopfarbeit anbieten. Ohne Kamera.  

Draußen vor der Tür ist es am Schönsten.

draußen vor der Tür

An Tagen wie diesem, bin ich froh sehr ländlich zu leben. Wenn ich die Haustür verlasse, bin ich schnell in der Natur. Nur einige Kilometer und von den Häusern ist nichts mehr zu sehen. Nur einige Landwirte bearbeiten mit ihren Traktoren und verschiedenen landwirtschaftlichen Geräten den Boden. Wahrscheinlich wird die Saat bald eingesät und auf den schwarzen Flächen sprießt langsam neues Leben.

Die Umgebung ist mir vertraut. Hier bin ich aufgewachsen. Hier habe ich schon als Kind meine Nachmittage verbracht. Ich laufe einfach los. Die Straße entlang. Raus aus dem Ort. Natürlich kenne ich die Strecke. Aber heute versuche ich einfach mal, sie mit anderen Augen zu sehen. Aus einem anderen Blickwinkel heraus. Ich versuche einfach alles so zu sehen, als wäre es das erste Mal. Dabei fällt mir auf, dass hier gar nicht alles schön ist. Ehrlich gesagt, hier draußen vor der Tür ist sogar manches ziemlich hässlich. Das Meiste davon ist allerdings von Menschenhand gemacht. Müll, der am Wegesrand liegt. Dinge, die einfach entsorgt wurden. An einem anderen Tag werde ich einiges davon einsammeln. Heute nicht.

Ich liebe Wiesen. Das satte Grün. Die Bäume und Sträucher, die auch langsam wieder Farbe bekommen. Ich mag den Klang der Vogelstimmen und den Duft, der mich umgibt. Es riecht nach Frühling. Nach Neubeginn. Nach Aufbruch. Ein Geruch, der sich in meinem Inneren, in ein Gefühl verwandelt. Alles neu macht der Mai. Vielleicht ist an diesem alten Sprichwort etwas dran. Das dem so ist, dass spüre ich hier. Draußen vor der Tür. 

Eine Fotostrecke, draußen vor der Tür.

Ich krame eine Kamera aus der Tasche. Insgeheim denke ich, dass ich wieder einmal zu viel Gepäck dabeihabe. Zwei Kameras, zwei Objektive, aber nichts Essbares oder etwas zu trinken. Egal. Dieses einfache Herumschlendern ohne wirkliches Ziel macht mir keinen Druck. Und wenn ich Hunger oder Durst verspüre, dann drehe ich einfach um. Noch ist es nicht soweit. Und ich verdränge den Gedanken zurück zu gehen ganz schnell. Hier. Jetzt. Dieser Augenblick. Dieser eine Moment. Das ist alles, was ich wirklich besitze und genau diesen Besitzt möchte ich voll und ganz auskosten. 

Der freilaufende Hund

Auf meinem Weg, in einiger Entfernung, sehe ich einen Hund. Einen freilaufenden Hund. Seinen Besitzer sehe ich nicht. Aber ich höre ihn. Ich höre ihn, wie er seinen Hund ruft. Aber dieser macht keine Anstalten auf die Rufe zu reagieren. Er hat anscheinend Fährte aufgenommen. Er hat die Rehe, die sich ins Gras gelegt hatten entdeckt und genau diese wurden nun zu seinem Ziel.

Da der Wind günstig steht, haben die Rehe den nahenden Hund sofort bemerkt. Blitzartig springen sie hoch und suchen das Weite. Sie laufen genau in meine Richtung, da sie mich nicht bemerkt haben. Um in ihnen nicht noch zusätzlichen Stress zu verursachen, gehe ich zu Boden und verstecke mich hinter einigen Büschen und einem kleinen Erdwall. Ob das richtig ist, weiß ich nicht. Aber es fühlt sich richtig an. Der Hund, der bemerkt hat, dass er das flüchtende Wild nicht mehr erreichen kann, trottet langsam und fast gelangweilt zu seinem Besitzer zurück. 

Auch ich stehe auf und schaue in die Richtung des mir entgegenkommenden Mannes. Doch als er mich entdeckt, dreht er sofort um und verschwindet. Zusammen mit seinem Hund, der mittlerweile an der Leine ist. 

Warum es draußen vor der Tür einfach am schönsten ist.

Ich weiß nicht genau, wie lange ich an diesem Tag unterwegs bin. Oder wie lang die Strecke war, die ich zurückgelegt habe. Ich weiß nur, dass es draußen vor der Tür einfach am schönsten ist. Hier gibt es immer etwas, dass ich entdecken kann. Hier gibt es immer etwas, das ich erleben kann. Und fast jeder kleine Ausflug nach draußen ist wie ein kleines Abenteuer. Hier bekomme ich den Kopf frei. Hier kann ich abschalten. Der perfekte Ausgleich zum stressigen Alltag, finde ich tatsächlich nur an einer Stelle: Draußen vor der Tür.  

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