Ethik in der Wildtierfotografie

Der Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen des menschlichen Handelns und seiner Bewertung befasst, wird Ethik genannt. Es geht um Handlungsformen oder um es mit der Frage des Philosophen Immanuel Kant auszudrücken: „Was soll ich tun?“ Aber was hat diese Frage bzw. die Ethik als solches eigentlich mit der Wildtierfotografie zu tun? Wenn Du mich fragst, eine ganze Menge. 

Die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen bzw. umgehen sollten, ist seit Jahrhunderten durch die ethischen Überlegungen vieler Philosophen geprägt. Und auch der Umgang mit unserer Umwelt, der Natur, dem Wald und den Tieren ist durch die Denkweise der Ethik geformt. Dementsprechend ist die Wildtierfotografie oder viel mehr die Naturfotografie kein ethikfreier Raum. Daher sollten wir als Natur- und Wildtierfotografen uns und unser Verhalten, als auch unseren Umgang in und mit der Natur immer wieder hinterfragen und uns an einige Leitlinien halten, die für einen rücksichtsvollen Aufenthalt vor der eigenen Haustür sorgen.

Die Ethik in der Wildtierfotografie

Wenn wir die Wildtierfotografie einmal aus dem Blickwinkel der Ethik betrachten, dann stellen wir schnell fest, dass wildlebende Tiere kein einfaches Motiv sind. Das hat natürlich seinen Grund. Im gesamten Verlauf unserer menschlichen Geschichte, haben wir Tiere bejagt und bekämpft. Teilweise um unser eigenes Überleben zu sichern. Durch diesen Umstand haben wir uns für viele Tiere zum Todfeind erklärt und der pure Anblick oder schon der Geruch des Menschen sorgt dafür, dass viele Tiere in Deckung gehen oder reflexartig die Flucht ergreifen. 

Darüber hinaus haben einige Tierarten, die früher mal tagaktiv waren, ihre Aktivitäten in die Dämmerung oder sogar in die Nacht verlegt, weil sie gemerkt haben, dass eine Begegnung mit dem Menschen zu dieser Zeit eher selten der Fall ist. Dieser Umstand, im Ganzen betrachtet, macht die Wildtierfotografie natürlich schwieriger und zeigt mir persönlich, dass wir eher Störfaktor als Gast in der Natur sind. 

Wenn wir also Störfaktor sind, sollten wir – sofern wir wildlebende Tiere fotografieren oder beobachten möchten – uns mindestens so verhalten, als wären wir zu Gast in der Natur. Wir sind dort zu Besuch, wo die Tiere jeden Tag leben und demnach ist es unsere Pflicht als Wildtierfotografinnen und Wildtierfotografen sie in ihren heimischen Arealen nicht zu stören. Und tatsächlich kommt hier auch die Ethik ins Spiel bzw. die Frage „Was soll ich tun?“.

Ethische Aspekte in der Wildtierfotografie

Ethik

Die Welt hat sich durch das Aufkommen der Digitalfotografie verändert. Im Grunde sind wir alle Natur- bzw. Wildtierfotografen geworden, denn jeder von uns trägt meistens eine Kamera mit sich, die es uns erlaubt, Fotos in der Natur zu schießen. Durch diesen Umstand wurde die Fotografie ein beliebtes Hobby und für einige ein netter Zeitvertreib. Und gerade in der aktuellen Zeit treibt es viele Menschen – besonders an die Wochenenden – vor die Haustür, was den Druck auf die Natur enorm erhöht. 

Auch die Umstände, die die sozialen Netzwerke mit sich gebracht haben, verschärfen die Situation. Viele Menschen versuchen ständig die Fotos nachzustellen, die sie z.B. auf Instagram gesehen haben, in der Hoffnung, ihr Ansehen durch Likes und Kommentare zu verbessern. Oft wird deshalb ohne Rücksicht in Gebiete vorgedrungen, die den Tieren als sicherer Rückzugsort dienen soll. Natürlich ist es ein tolles Erlebnis, wilde Tiere zu beobachten und zu fotografieren, doch als ich bin der Meinung, dass ich als „Naturfotograf“ höchstpersönlich dafür verantwortlich bin, jede Störung auf ein Minimum zu reduzieren und mich an die Regeln und Gesetze der Besitzer bzw. der Gebietseigner zu halten. 

Und hier kommt die Ethik ins Spiel, bzw. die ethischen Aspekte die ich persönlich für richtig halte und mit denen man sich beschäftigen sollte, sofern man sich mit dem Thema Wildtierfotografie eingehend befassen möchte. 

Was es bei der Wildtierfotografie zu beachten gilt:

  • Grundsätzlich sollten wir keine Gebiete betreten, die aus diversen Gründen abgesperrt bzw. dessen Betreten grundsätzlich verboten ist. Oft handelt es sich hier um ausgewiesene Schutzgebiete. Und selbst wenn es nicht um derartige Schutzgebiete handelt, eine Absperrung zu übertreten ist grundsätzlich unangebracht und falsch.
  • Die Wege in Wald und Flur sollten ohne Erlaubnis nicht verlassen werden. Sollte doch ein Interesse vorliegen, einen Weg zu verlassen, muss vorher die Erlaubnis des Besitzers bzw. der Besitzerin eingeholt werden.  
  • Informiere Dich über die Tiere, die Du fotografieren möchtest. Denn je mehr Du sie kennst, verstehst und über ihre Lebensweise Bescheid weißt, desto weniger läufst Du Gefahr, sie zu stören.
  • Manche Tiere lassen sich nur sehr schwer in freier Wildbahn fotografieren. Und dann ist das einfach so. Auf keinen Fall solltest Du versuchen, diese anzulocken, anzufüttern oder gar zu fangen. Erst recht nicht, wenn diese Arten eventuell sogar geschützt sind. Wenn Du sie nicht in freier Wildbahn fotografieren kannst, solltest Du diesen Umstand hinnehmen und die Tiere und ihre Lebensart dementsprechend respektieren. Eventuell gibt es ja die Möglichkeit, diese in einem Wildpark abzulichten. 
  • Was die Nähe zu Bauten, Höhlen oder Nestern betrifft: Abstand halten. Immer. Einfach aus dem Grund heraus, dass diese Rückzugsorte der Tiere sind und um ggf. die Jungtiere zu schonen und ihnen ihre Ruhe zu lassen.
  • Es gibt Tierarten, die mittlerweile so selten geworden sind, dass sie einen offiziellen Schutzstatus besitzen bzw. unter Artenschutz gestellt wurden. Dieser Artenschutz wird in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Nach §§ 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG ist es sogar verboten, wildlebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören. Und die Störung dieser Tiere fängt schon bei Kleinigkeiten an und kann empfindliche Geldstrafen mit sich bringen. Daher ist es überaus wichtig, sich mit den Tierarten zu beschäftigen, sie kennenzulernen und zu verstehen. Auch die gesetzlichen Regelungen solltest Du kennen und Dir im Vorfeld überlegen, wie Du diese in der Praxis berücksichtigen kannst. 
  • Achte stets darauf, dass Du für das ultimative Tierfoto keine anderen Naturelemente beschädigst. Es wäre doch sehr doof, wenn Du für ein Foto eines Hirsches eine seltene und geschützte Pflanze zertreten würdest. Achte also nicht nur auf die Tiere, sondern immer auch auf die Umwelt, die Dich umgibt.  
  • Und der wichtigste Punkt: Verlasse jeden Ort so, wie Du ihn vorgefunden hast. Achte darauf, dass Du keinen Abfall hinterlässt oder andere, großartige Spuren, die auf Deine Anwesenheit hindeuten könnten. 

Zum Schluss

Die Ethik, also die Frage „Was soll ich tun?“ spielt gerade in der Wildtierfotografie – meiner Meinung nach – eine wichtige Rolle. Es ist wichtig die Tiere und ihre Lebensweisen zu verstehen und darüber hinaus die gesetzlichen Regelungen zu kennen. In jedem Fall steht das Wohl der Tiere über meinen persönlichen Wünschen und Bedürfnissen und um dieses nie zu gefährden, muss ich manchmal mit einem weniger guten Foto zufriedengeben. Und dass ich manchmal vollkommen leer ausgehe und ohne ein halbwegs brauchbares Fotos nach Hause gehe, sollte mir immer bewusst sein. Solange ich diesen Umstand akzeptiere und damit sehr gut leben kann, solange macht mir die Wildtierfotografie auch langfristig Spaß. 

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  1. […] in der freien Wildbahn zu fotografieren ist keine leichte Aufgabe. Es gibt so viele Dinge, die man beachten und noch mehr Dinge, die man wissen muss. Sich einfach eine Kamera zu schnappen und loszugehen, ist […]

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