Blog

Ein Jagdblog? So etwas wird doch nur von Jägerinnen oder Jägern betrieben. Von Menschen in grün, die mit Jagdgewehr und Hut durch den Wald streifen, um wehrlose Tiere zu erschießen. Von Menschen, die unfassbar viel Geld haben, damit sie sich diesem exklusiven Hobby widmen können. Geschrieben von Menschen, die auf Hochsitzen thronen und das Wild dauerhaft füttern, damit sich die Population vermehrt und sie mehr Tiere erlegen können. Ein Jagdblog ist doch immer ein Blog von Jägerinnen und Jägern für Jägerinnen und Jäger. Oder? 

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, ob das immer so ist. In diesem Fall ist dem aber nicht so. Mein Name ist Torsten Luttmann, ich bin 39 Jahre alt, hauptberuflich selbstständiger Fotograf und: Kein Jäger. Und doch habe ich mich schon Mitte 2020 dazu entschieden, einen Blog über die Jagd, einen Jagdblog zu erstellen. Weil mich das Thema interessiert, weil die Jagd polarisiert und weil es – meiner Meinung nach – zu viele Vorurteile über die Jägerinnen und Jäger in diesem Land gibt.  

An dieser Stelle ist es vielleicht ratsam zu erwähnen, dass ich lange Zeit selbst nicht frei von gewissen Vorurteilen war. Ich war nie wirklich ein Freund der Jagd und wenn früher im Herbst, die Männer in grün und orange (zu meinen Kinder- und Jugendtagen waren es hinter meinem elterlichen Hof tatsächlich nur Männer) über die Felder zogen, war ich genervt, dass ich mich nicht frei bewegen konnte. Allerdings habe ich mir nie die Mühe gemacht, mir das Ganze mal aus der Nähe anzusehen und mal genau hinzuschauen, was Jägerinnen und Jäger überhaupt wirklich machen. Das, was ich gesehen habe und worauf meine komplette Meinung beruhte, war ausschließlich der Abschuss. Heute weiß ich, dass das ein Fehler war. 

Vom Hochsitz zum Jagdblog

Lange Zeit habe ich meine Vorurteile mit mir herumgetragen. Sie wurden zu meiner Meinung und zu einer Überzeugung. Doch als ich mich im Jahr 2019 so langsam der Wildtierfotografie näherte und erste Versuche in diesem Bereich unternahm, kam ich durch glückliche Zufälle immer öfter mit Jägerinnen und Jägern ins Gespräch. Einige interessierten sich für meine Fotos, andere hatten interessante Tipps und Hinweise. Anfangs war ich ziemlich skeptisch und wollte von diesen Menschen eigentlich nichts hören. Und wenn jemand nachfragte, wo ich dieses oder jenes Foto geschossen habe, wollte ich nichts sagen, weil ich die Befürchtung hatte, dass dieses von mir fotografierte Tier nur wenige Tage später als Trophäe über einem Kaminsims hängen würde. Noch so ein Vorurteil.  

Alles änderte sich im August 2019. Eine Jägerin, mit der ich mich zwischenzeitlich angefreundet hatte, lud mich ein, sie einfach mal auf einen ihrer Hochsitze zu begleiten. Ohne jagdlichen Hintergrund. Einfach nur, um ein Gefühl zu bekommen. Anfangs war ich skeptisch, aber da ich wusste, dass ich alleine keinen Hochsitz betreten durfte und mir wahrscheinlich so eine Gelegenheit nicht so schnell wieder unter die Finger kommen würde, stimmte ich zu.

Obwohl wir lange Zeit kein Wort miteinander gesprochen, sondern nur still und fast regungslos auf den alten Brettern saßen, begann ich meine Meinung langsam selbst zu hinterfragen und beschloss, mich doch eingehender mit dem Thema Jagd zu befassen. Ich fragte mich, ob das was ich über die Jagd zu glauben wusste, überhaupt der Wahrheit entsprach. Über einen eigenen Jagdblog dachte ich zu dem Zeitpunkt allerdings überhaupt nicht nach.    

Jagd & Forst

Jagdblog

Die Monate vergingen. Der Herbst kam, dann der Winter. Ich hatte in zahlreichen Gesprächen einiges über die Jagd gelernt und verstanden, dass ich mit meinen Ansichten und Überzeugungen oft falsch lag. Viele Vorurteile, die ich mit mir herumgetragen habe, waren eben nicht mehr als das. Vorurteile. Sie waren Meinungen, die nicht objektiv waren, sondern ihren Ursprung in meist feindseligen Gefühlen fanden. Meinungen, die ich ohne jegliche Prüfung der Tatsachen, voreilig gebildet habe. 

Doch zum Glück lassen sich Meinungen und Ansichten ändern, falsche Überzeugungen zur Seite legen und Tatsachen und Fakten prüfen. Mittlerweile habe ich einige Menschen kennenlernen dürfen, die sich der Jagd verschrieben haben und das, was sie tun, geht weit über den Abschuss hinaus. Sicherlich gibt es auch schwarze Schafe unter den Jägern und Menschen, die nur darauf hinaus sind, Trophäen zu bekommen und Abschüsse vorweisen zu können. Aber aufgrund dieser Personen, eine ganze Vielzahl von Menschen vorzuverurteilen, das halte ich persönlich für falsch.  

Je mehr ich mich übrigens mit dem Thema befasst habe, desto öfter stellte ich fest, dass Jägerinnen und Jäger oft im Kreuzfeuer der Gesellschaft stehen. Gerade in den sozialen Netzwerken wird das sichtbar. Dort werden sie als Mörder oder Tierquäler bezeichnet, die nichts – aber auch gar nichts – für den Umwelt- bzw. Naturschutz tun. Ich persönlich habe da allerdings andere Erfahrungen gemacht und würde behaupten, dass das Gegenteil der Fall ist. Und an diesem Punkt fiel die Entscheidung, als „Nichtjäger“ einen Jagdblog zu starten. Einfach um meine Erfahrungen, Sichtweisen und Erlebnisse aus „Außenstehender“ zu teilen. 

Nicht nur ein Jagdblog

Letzten Endes soll JAGD & FORST aber nicht nur ein reiner Jagdblog sein. Und da ich persönlich kein Jäger bin und auch andere Interessen habe, soll dieses Projekt eben nicht nur für Jägerinnen und Jäger interessant sein. Auch für Abenteurerinnen und Abenteurer, für Wildtierfotografinnen und Wildtierfotografen. Letzten Endes für alle, die gerne draußen sind. Und vielleicht trägt JAGD & FORST ja auch irgendwann dazu bei, dass jagdbegeisterte Menschen und jene Menschen, die der Jagd skeptisch gegenüberstehen, sich auf Augenhöhe begegnen können und Verständnis für die Interessen des Anderen haben. Ob da gelingt? Ich weiß es nicht. Aber wünschen würde ich es mir schon.