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Rehe fotografieren

Rehe fotografieren

In den letzten Tagen war ich häufig draußen. Im Feld. Ich wollte Rehe fotografieren, weil bei den Rehen gerade eine spannende Zeit herrscht. Die Tiere Die großen, grünen Gummistiefel liegen immer in meinem Auto. Hinten. Auf der Ladefläche. Und in den letzten Tagen sind sie häufig zum Einsatz gekommen. Der Regen hatte die alten Feldwege aufgeweicht und die Wiesen, auf denen das Gras stellenweise knöchelhoch steht, nass gemacht. Meine Jagdschuhe wären unter diesen Umständen meistens die falsche Wahl gewesen. Aber mit den Gummistiefeln konnte ich das, was ich vorhatte, ziemlich gut umsetzen. Ich bin immer wieder losgezogen, weil ich Rehe fotografieren wollte.  

Ich habe das Glück, dass ich ziemlich ländlich lebe. Mit meinem Auto muss ich nur einige Minuten fahren, um tief ins Feld zu kommen. Von der Hauptstraße aus führt dann ein alter Sandweg tief ins Feld. Direkt an einem Fluss gibt es eine Stelle, an der ich das Auto bedenkenlos abstellen kann. Und nachdem ich die Türen ganz leise zugemacht habe, geht es zu Fuß über einen verwachsenen Feldweg, der so gut wie nie befahren wird, noch tiefer ins Feld. Von dort aus hört man kaum noch etwas, vom Lärm der Straßen. Und hier her komme ich sehr gerne, wenn ich Rehe fotografieren möchte. 

Rehe fotografieren, ist wahrlich keine große Kunst. Vor allem, weil sie hier, in Deutschland, fast flächendeckend vorkommen. Nur in den Großstädten und auf einigen Inseln trifft man sie nicht an.

Am liebsten halten sich Rehe die Übergangsbereiche zwischen Wiesen und Wald, einfach weil sie dort die Beste Kombination aus Rückzugsmöglichkeiten und Nahrungsangebot vorfinden können. Und genau an einer solchen Stelle lassen sich Rehe relativ gut fotografieren.   

Brunftzeit bzw. Blattzeit

Rehe fotografieren

Wenn man Rehe fotografieren möchte, ist es von Vorteil, wenn man sich im Vorfeld schon intensiv mit den Tieren befasst hat. Wenn man weiß, wie sie leben, was sie fressen und wie z.B. ihr Paarungsverhalten ist. Die Brunftzeit der Rehe, die von Jägerinnen und Jägern auch Blattzeit genannt wird, findet zwischen Mitte Juli und Mitte August statt. In dieser Zeit lassen sich die Tiere, mit etwas Geduld, hervorragend fotografieren. Gerade die jungen Böcke sind neugieriger und dementsprechend weniger Scheu.

Allerdings ist das kein Freifahrtschein, die Tiere in dieser, für sie wertvollen Zeit zu stören. Das Beste ist, man bleibt auf den Wegen, sucht sich einen guten Platz und wartet einfach. Oder man fragt eine jagdausübungsberechtigte Person danach, ob man diese einfach mal im Revier begleiten darf. Unter genau diesen Umständen sind die Fotos entstanden. In Absprache oder vom Feldweg aus, wobei ich zugeben muss, dass einige Feldwege hier in der Region aktuell ziemlich verwaist sind und fast gar nicht befahren werden. Ein Vorteil für mich. Ich bin mir aber sicher, dass fast jede ländliche Region derartige Wege zu bieten hat. 

Rehe fotografieren

Rehe fotografieren vom Ansitz aus
Manchmal nehmen mich Jägerinnen und Jäger mit ins Revier, was immer eine großartige Sache ist.

Rehe haben sehr gute Sinne. Sie hören hervorragend und ihr Geruchssinn ist äußerst ausgeprägt. Wenn man also Rehe fotografieren möchte, sollte man sich immer gegen den Wind bewegen, damit die eigene Witterung von einem weggetragen wird. Darüber hinaus ist es ratsam, sich dem Tier nur dann zu nähern, wenn es gerade frisst. Schaut es hoch, zu einem herüber, ist es das Beste, einfach stehen zu bleiben. 


Rehe nehmen Bewegungen ganz genau war. Das liegt daran, dass ihre Pupillen horizontal verlaufen. Bleibt man stehen, ist die Chance nicht entdeckt zu werden, wesentlich höher. Früher habe ich oft den Fehler gemacht, mich hinter einem Baum zu verstecken. Das klang für mich logisch. Allerdings musste ich immer hinter dem Baum hervorsehen, um zu schauen, was das Tier macht. Diese Bewegungen haben die Rehe jedes Mal registriert. Heute sitze ich manchmal nur auf einem Baumstumpf, mit entsprechender Tarnung, und warte nur darauf, dass die Tiere in meine Richtung kommen. Gleichzeitig hoffe ich dann, dass der Wind sich nicht dreht.

Rehe fotografieren
Dieses Bild wurde bei Gegenwind aus einem Graben am Straßenrand heraus aufgenommen. Es muss so gegen 19:00 Uhr gewesen sein.

Wie bereits erwähnt, sind Rehe durchaus scheu. Schon das kleinste Geräusch treibt sie in die Flucht. Daher habe ich, wenn ich Rehe fotografieren möchte, immer ein Objektiv mit einer Brennweite von mindestens 400 mm dabei. Darüber hinaus fotografiere ich meist mit einer offenen Blende, die viel Licht ins Objektiv lässt, um die Verschlusszeiten zu verkürzen. Der Vorteil, dass Rehe sich gerne am Waldrand aufhalten, sorgt ziemlich oft für einen dunklen Hintergrund, was mir persönlich sehr gut gefällt. 

Natürlich hilft es ungemein, sich selbst zu tarnen. Ein echtes Blattmuster auf der Kleidung wirkt manchmal wahre Wunder. Allerdings lassen sich Rehe auch hervorragend aus dem Auto heraus fotografieren, weil die Tiere nicht selten an diese Fahrzeuge auf den Wegen gewohnt sind. Tatsächlich fotografiere ich selbst immer mal wieder gerne aus dem Auto heraus. 

Rehe fotografieren aus dem Auto
Dieses Foto ist aus dem Auto heraus entstanden.

Rehe fotografieren, mittlerweile eine meiner Leidenschaften. Und je intensiver ich mich mit den Tieren beschäftige, sie kennenlerne und mehr über sie erfahre, desto leichter wird es, großartige Fotos von ihnen zu schießen. Aber tatsächlich geht es irgendwann gar nicht mehr nur um die Fotografie. Rehe fotografieren bedeutet nämlich auch Rehe beobachten. Und das kann – gerade in der Blattzeit – unheimlich spannend sein. 

Zur Tarnung und zum Abschluss

Meine ersten Versuche, Rehe zu fotografieren, habe ich oft in meinen blauen Jeans unternommen. Ein großer Fehler, denn ich wusste nicht, dass das Blau in den Jeans auf das Wild strahlend wirken kann. Heute trage ich, im Feld, ausschließlich Töne in Braun oder Oliv. Ich habe mit diesen Farben die besten Erfahrungen gemacht. Manchmal nutze ich eine Jacke mit einem echten Blattmuster. Auch Handschuhe und eine Gesichtsmaske mit diesem Muster besitze ich. Allerdings kommen diese tatsächlich nur selten zum Einsatz. Mit einer großen Brennweite kann man tatsächlich schon einiges regeln. 

Und zum Abschluss noch einige wichtige Sache. Das Wohlergehen der Tiere und deren Ruhe ist viel wichtiger als jedes gute Foto. Im Zweifelsfall sollte also immer – zum Wohl der Tiere – auf ein Foto verzichtet werden.  

  

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