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Nebel im Wald hat etwas Magisches. Wenn der feine Dunst zwischen den Bäumen entlang zieht und das Licht der aufgehenden Sonne alles in warme Töne hüllt, gibt es überall wunderbare Motive, die es sich zu fotografieren lohnt. Ja, Nebel im Wald ist etwas Fantastisches und ich habe heute 12 Fotos für Dich, die gestern zwischen zwei Terminen in kürzester Zeit entstanden sind.  

Nebel im Wald

Als ich gestern, nach einem beruflichen Termin, auf dem Parkplatz bei meinem Wagen stand, hing mein Blick am Nebel fest, der still und leise, fast unbemerkt, über die angrenzenden Wiesen zog. In der Ferne konnte ich das Plätschern des Flusses hören und am Horizont sah ich die großen, weiten Wälder, die vielleicht sogar prägend für die Region waren. Wie schön musste der Nebel im Wald sein, fragte ich mich. Also stieg ich ein, drehte den Zündschlüssel um und fuhr dem Horizont entgegen, in Richtung der eben erwähnten Wälder.  

Darüber, dass ein Waldspaziergang ungemein gesund ist, hatte ich ja bereits geschrieben. Ein Waldspaziergang, bei dem Nebel im Wald ist, stellt wahrscheinlich sogar das Sahnehäubchen dar. Zum Glück hatte ich meine Kamera dabei und so war es mir ein inneres Fest, die verschiedenen Lichtsituationen einfangen zu können. Zwar saß mir die Uhr ein Stück weit im Nacken, aber nicht so fest, als hätte ich die Augenblicke nicht genießen können.   

Nebel im Wald

Wenn Du mich fragst, warum Nebel im Wald so fantastisch ist, dann kann ich Dir das nur damit beantworten, dass die Stimmung dort, zwischen den Bäumen, dann atemberaubend wird. An manchen Stellen taucht die Sonne alles in ein warmes Licht. An anderen, dunkleren Stellen glaubt man fest, dass die alten Geschichten aus längst vergangenen Zeiten vielleicht doch real werden könnten. Der Nebel im Wald bringt so viele Facetten mit sich, dass es hunderte davon erzählen könnte.  

Vielleicht ist es das herrlich-graue Gefühl der Melancholie, welches an diesen Tagen unterschwellig mitschwingt. Nebel im Wald hat immer etwas Endliches. Oder etwas Vollkommenes? Ich weiß es nicht genau. Was ich aber weiß ist, dass ich es gerne mag, wenn das Licht im Wald wirklich deutlich sichtbar wird.

Aber ich möchte gar nicht zu viel sagen, nicht zu viele Worte schreiben. Es gibt Bilder, die ich Euch zeigen möchte. Fotos vom Nebel im Wald. Ein paar ausgewählte Fotografieren eines doch viel zu kurzen Abstechers. 11 Fotos, die Dir zeigen sollen, warum es sich lohnt, rauszugehen, wenn der Nebel im Wald zu finden ist. 

Nebel im Wald

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber allein das Betrachten der Fotos löst in mir eine gewisse Ruhe aus. Deswegen denke ich darüber nach, einige dieser Bilder auf etwas größeres Papier, einer Leinwand oder vielleicht sogar auf eine Alu-Platte drucken zu lassen. Sie würden sich sicherlich sehr gut an einer Wand in meinem Büro machen.

Auf jeden Fall aber weiß ich, wenn die Zeit es zulässt und wieder einmal Nebel im Wald zu finden ist, dass ich dort sein werde. Mit oder ohne Kamera, das spielt überhaupt keine Rolle. Wichtig ist, dass ich es sehe und das gerne auch nur mit meinen eigenen Augen.     

Wildtierfotografie - Ein Fuchs

Wildtierfotografie. Sie ist wahrscheinlich die Königsklasse der Fotografie. Warum? Ganz einfach. Draußen wartet niemand auf Dich, im Grunde genommen bist Du nie willkommen und immer ein Störenfried. Tiere in freier Wildbahn zu fotografieren ist tatsächlich keine leichte Aufgabe und vielleicht gerade deshalb eine der schönsten, die es gibt. 

Das neue Jahr hat längst begonnen und die Pläne für dieses nehmen langsam Form an. Ohne gute Vorsätze gestartet, kam es mir doch in den Sinn, dass ich mich gern wieder intensiver mit dem Thema Wildtierfotografie beschäftigen möchte. Die Art der Fotografie ist zwar keine leichte und auf keinen Fall eine bequeme, doch ist diese Art der Fotografie, die mir meisten Spaß macht. Draußen, an der frischen Luft, meist allein und in vollkommener Ruhe, warte ich auf mein Motiv. Und während ich warte, kann ich meine Gedanken sortieren und dadurch inneren Frieden finden. 

Ich glaube, ich bin damit nicht allein. Viele entdecken, vielleicht gerade in diesen Zeiten, ihre Leidenschaft zur Natur- und Landschaftsfotografie bzw. zur Wildtierfotografie. Und daran ist nichts schlechtes zu finden. Für mich ist es eines der schönsten Hobbys und ich bin froh, dass ich diese Leidenschaft sogar teilweise zu meinem Beruf machen konnte. Trotzdem denke ich manchmal, das diese Leidenschaft ihre Grenzen hat und es eben Bereiche gibt, die nicht überschritten werden sollten. 

Wildtierfotografie

Wildtierfotografie – eine abenteuerliche Reise

Wildtierfotografie ist mehr als ein einfaches Hobby. Es ist wie eine abenteuerliche Reise in die Natur. Ein Eintauchen in das Ursprüngliche, das Unberührte, das Wilde. Natürlich bin ich mir bewusst, dass wir hier in unserer Region kaum unberührte, wilde oder ursprüngliche Natur haben, trotzdem kommt die Wildtierfotografie diesem schon sehr nahe. Es geht darum, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren und diese ungestört und friedlich auf einem Bild festzuhalten. Und damit dieses gelingt muss jeder, der sich wirklich mit dem Thema befassen möchte, die Tiere kennen, die er fotografieren will.

Vielleicht ist „das Kennen der Tiere“, die wichtigste Fähigkeit die jeder mitbringen muss, der sich ernsthaft mit dem Thema Wildtierfotografie auseinandersetzen möchte. Es geht dabei darum, herauszufinden wo sie leben, zu welcher Jahreszeit sie sich wo aufhalten oder darum, was sie fressen und wie sie sich in ihrer Umwelt verhalten. Ausschließlich mit diesem Wissen, gelingt es am Ende eine Geschichte zu erzählen und dadurch bessere Fotos bzw. schönere Tierportraits  zu machen.

Du weißt, dass Du den Tieren niemals nachstellen darfst, sie nie in die Enge treiben solltest und Dich zurückziehst, sobald sie aufgeregt und nervös wirken. Wenn es zu dem Punkt kommt, an dem ein Tier flieht, bist Du ihm zu nahe gekommen. Das bedeutet für das Tier, dass es Energie verbrauchen muss, die gerade in den Wintermonaten lebenswichtig sein kann. Darüber hinaus verursacht jede Flucht unnötigen Stress, was niemals gut ist.

Eine teure Kamera, ein großes Objektiv und der gutgemeinte Wille, Tiere in ihrer natürlichen Lebensweise zu portraitieren stellt keinen Freifahrtschein da. Es gibt immer auch Regeln und Hinweise, an die sich jeder halten sollte. Leider ist das nicht immer das Fall und wahrscheinlich ist das der Grund warum manche Jägerinnen und Jäger skeptisch gegenüber Wildtierfotografinnen und -fotografen sind. Ich für meinen Teil, kann das durchaus verstehen. 

Sprich mit den jagdausübungsberechtigten Personen.

Eine Sache, die mir im Bereich der Wildtierfotografie durchaus weitergeholfen hat, war das Gespräch mit den jeweiligen, jagdausübungsberechtigten Personen zu suchen. Dabei bin ich fast immer auf offene Ohren gestoßen und oft kam es vor, dass mich Jägerinnen und Jäger mit ins Revier genommen haben. Dort habe ich tatsächlich eine Menge über die Zusammhänge innerhalb der Natur gelernt. Die Jägerinnen und Jäger zeigten mir, worauf ich achten muss, was ich zu beachten habe und worauf es wirklich ankommt.

Niemals ging es darum, mein Vorhaben schlecht zu machen, sondern immer darum, was für das Wild das Beste ist. Aus diesen Gesprächen habe ich immer viel mitnehmen können und so meistens bekam ich darüber hinaus die Erlaubnis, in den jeweiligen Revieren unter Einhaltung der Regeln Fotos schießen zu dürfen. Den Jägerinnen und Jägern aus unserem Ort habe ich darüber hinaus im letzten Jahr eine Galerie mit Aufnahmen zur Verfügung gestellt, die sie kostenlos nutzen können, wenn sie möchten.

Wenn man diese Dinge beachtet, sich mit dem Wild vertraut macht, sich an gewisse Regeln hält und auf die Interessen anderer achtet und eingeht, dann wird die Wildtierfotografie zu einer abenteuerlichen Reise, die viel Spannung, Spaß und Freude bereithält. Und dann, aber wirklich erst dann, kannst Du guten Gewissens atemberaubende Momente erleben. 

Aber was braucht man für die Wildtierfotografie?

 Was Du für die Wildtierfotografie brauchst? Natürlich eine Kamera, ein gutes Objektiv und viel, viel Geduld. Bei der Geduld, kann ich Dir leider nicht helfen. Aber was die Technik betrifft, darauf gehe ich in meinem nächsten Beitrag zum Theme Wildtierfotografie genauer ein. Versprochen. 

  

Wenn man an Menschen denkt, die zur Jagd gehen, dann fallen einem sofort die typischen Bilder ein: Personen in grün, die mit Waffen auf Hochsitzen verharren und nach Wild Ausschau halten, um dieses zur Strecke zu bringen. Ich durfte einige Jägerinnen und Jäger zur Rehkitzrettung begleiten. Und dort hat sich wieder gezeigt, dass das typische Bild der Jägerschaft nicht mehr, als ein Ausschnitt des Ganzen ist.

Im Westen geht die Sonne unter, als wir uns am verabredeten Treffpunkt zusammenfinden. Das Licht am Horizont verfärbt sich langsam ins orange. Ein warmes Bild in absoluter Stille. Das Zwitschern der Vögel und der Ruf des Kuckucks reihen sich nahtlos in diese Stille ein. Um uns herum liegen Wiesen und Äcker. An den Rändern der Felder stehen Eichen. Vereinzelt Birken. Unweit vom Treffpunkt fließt ein Fluss. Er trägt sein Wasser der untergehenden Sonne entgegen. Nicht mehr lange und sie berührt den Horizont.

Doch an diesem Abend sind wir nicht wegen des Sonnenuntergangs gekommen. Einige der Wiesen sollen gemäht werden und die Jägerinnen und Jäger, mit denen ich unterwegs war, wurden gefragt, ob sie diese Flächen nach Rehkitzen oder eventuellen Gelegen von Bodenbrütern absuchen könnten. Und das konnten sie.   

Rehkitzrettung als Ehrenamt

Die Rehkitzrettung ist für diese Jägerinnen und Jäger ein Ehrenamt. In ihrer Freizeit, früh morgens und bis spät in die Nacht, arbeiten sie eng mit der Landwirtschaft zusammen, um möglichst viele Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren. Damit dieses gelingt, setzten sie hocheffektive Technik ein. 

Eine Drohne mit Wärmebildkamera überfliegt die vorab einprogrammierten Flächen und zeichnet jeden Quadratmeter auf. Während der Pilot das Fluggerät steuert, sucht eine zweite Person, auf einem großen Bildschirm, nach Stellen, die sich aufgrund ihrer Temperatur deutlich vom kälteren Boden unterscheiden. Manchmal können diese Stellen Hasen sein, manchmal Fasane oder eben kleine Rehkitze.

Der Unterschied ist, Hasen rennen davon, Fasane flüchten ebenfalls. Die kleinen Rehkitze allerdings verfügen noch über keinen Fluchtreflex, sie ducken sich und bleiben regungslos im Gras liegen. Und genau das wird, im Fall der Grasernte, oft zum Verhängnis. Die großen Traktoren mit ihren Mähwerken bedeuten für die jungen Tiere oft den sicheren Tod.

Damit genau das nicht geschieht, machen sich die Jägerinnen und Jäger in diesen Tagen immer wieder auf, um die zu mähenden Flächen abzusuchen und die im hohen Gras liegenden Kitze zu bergen. Und das gelingt tatsächlich ziemlich gut. 

Rehkitze im hohen Gras

Während die Sonne untergeht, zieht die Drohne über den Feldern ihre Bahnen. Der Boden ist zu dieser Zeit schon etwas abgekühlt und die Kitze relativ leicht zu erkennen. Tatsächlich spielt das milde bis kühle Wetter den Jägerinnen und Jägern etwas in die Karte. Denn je heißer es ist, desto schwieriger gestaltet sich die Rehkitzrettung. 

Doch an diesem Abend läuft alles wie geschmiert. Die Drohne fliegt, Pilot und Co-Pilot kontrollieren den Flug, die Anderen stehen, mit Abstand zueinander, am Rand und warten auf einen Einsatz. Zum Glück vergebens. Die erste Fläche ist, bis auf einen Hasen, der aufgrund der Geräusche sofort flüchtet, frei.

Eine weitere Fläche steht noch auf dem Plan. Die Technik wird eingepackt, verstaut und gesichert. Der Standort wird gewechselt. Tatsächlich ist an diesem der Flug etwas problematischer. Einige große Eichen stehen in unmittelbarer Nähe zur Wiese. Dieser Teil kann nicht überflogen werden. Aber zum Glück muss das auch nicht so sein. Denn bereits nach wenigen Bahnen haben die Piloten auf dem Bildschirm ein Kitz entdeckt. Ein oder zwei Minuten später finden sie das zweite Tier. Ein voller Erfolg an diesem Abend.

Übrigens: Der Bund fördert die Anschaffung von Drohnen zur Rehkitzrettung. Eingetragene Vereine, zu deren satzungsgemäßen Aufgaben die Pflege und Förderung des Jagdwesens sowie des Tier-, Natur- und Landschaftsschutzes oder die Rettung von Wildtieren gehören, können seit dem 19. März 2021 Fördermittel für die Anschaffung von Drohnen mit Wärmebildkamera bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung beantragen. Anträge auf Teilnahme an der Fördermaßnahme (erste Stufe) können bis zum 1. September 2021 gestellt werden.

Eine Frage, hat mich persönlich, in den letzten zwei Jahren immer wieder beschäftigt: Ist die Jagd wichtig? Ist die Jagd überhaupt noch zeitgemäß? Oder ist die Jagd vielleicht nur ein Hobby für wohlhabende Gewehrliebhaberinnen und Gewehrliebhaber, die sich in ihrer Freizeit auf die Hochsitze begeben oder durchs Unterholz schleichen, nur um gnadenlos Rehe abzuschießen?      

Ich bin in einer landwirtschaftlich geprägten Region aufgewachsen. Im Oldenburger Münsterland. Hinter dem Hof meiner Eltern gab es viel Land und nur wenige Häuser. Stattdessen Ackerflächen. Wiesen. Hier und da ein paar Bäume. Große Wälder gab es nicht. Vereinzelt mal kleine Baumgruppen. Wenn im Herbst das Laub von den Bäumen fiel, gab es in jedem Jahr ein paar Tage, an denen meine Mutter es mir nicht gestattete, auf den Äckern und Wiesen zu spielen. An diesen Tagen zogen die Jäger über das Feld. Die Jagd hatte begonnen und für meine Mutter war es wichtig, dass ich an diesen Tagen auf dem Hof blieb. 

Natürlich verstand ich genau, warum ich nicht auf den Wiesen und Ackerflächen spielen durfte. Während der Jagd wurde geschossen. Und ein Treffer hätte tödliche Folgen haben können. Trotzdem fand ich diese Tage immer besonders beklemmend. Wenn die Jäger übers Feld zogen, an Jägerinnen kann ich mich zu der Zeit nicht erinnern, hatte ich stets ein ungutes, mulmiges Gefühl, welches ich seinerzeit ungefiltert auf die Jagd übertragen habe. Jagen bedeutete für mich stets Gefahr, Gewehrkugeln und Tod. Eine andere Definition gab es nicht. 

Ist die Jagd überhaupt wichtig?

Mein Großvater war kein Jäger. Mein Vater ebenfalls nicht. Dementsprechend wurde ich nie jagdlich geprägt. Es gab kaum Berührungspunkte mit diesem Thema. Bis auf diese Tage im Herbst. Und diese wenigen Tage sorgten dafür, dass ich mir selbst ein Bild zeichnete, welches Jägerinnen und Jäger in keinem guten Licht stehen ließ. Tatsächlich war ich, was das Jagen betrifft, skeptisch und dem Ganzen eher negativ gegenüber eingestellt. 

Jägerinnen und Jäger bezeichnen sich gerne als naturverbunden. Als Menschen, die Artenschutz betreiben und die Umwelt schützen. Eine Sache, über die ich lange schmunzeln musste. Wie können Menschen mit dem Gewehr eine Art erhalten? Wie kann durch den Abschuss eines Tieres die Natur geschützt werden? Und stimmt das überhaupt, was die Frauen und Männer in grün da erzählen? Ist die Jagd wichtig? Oder ist jede jagdliche Handlung nicht mehr als der Griff in ein System, welches sich von Natur aus eigentlich selbst sehr gut regulieren kann?

In dem Kreis meiner Bekanntschaften gibt es viele Menschen mit unterschiedlichen Meinungen diesbezüglich. Es gibt jagdlich interessierte Personen, Personen, die vegan leben und Personen mit Ansichten, die irgendwo dazwischenliegen. Wenn ich mich also mit diesen Personen unterhalte, bekomme ich ganz unterschiedliche Sichtweisen. Und das eine dieser Meinungen, dieser Sichtweisen, falsch ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Was ich aber tun kann ist, mit allen zu sprechen, mir ihre Argumente anhören, Fakten betrachten und mir dann selbst eine eigene Meinung bilden. Und genau das habe ich getan. Weil es mich wirklich interessiert hat. 

Die Natur kann sich selbst regulieren!

Zunächst einmal glaube ich daran, dass sich jede Naturlandschaft selbst regulieren kann. In einer derartigen Landschaft funktioniert es, dass alle Tier- und Pflanzenarten in einer notwendigen Populationsgröße überleben können. Ich glaube daran, dass sich immer wieder ein Gleichgewicht einstellen würde, auch wenn dieses Gleichgewicht das Verschwinden schwächerer bzw. sensibler Tierarten bedeuten müsse.

Allerdings ist eine Naturlandschaft eine Landschaft ohne Kultur. Genauer gesagt ist eine Naturlandschaft nichts anderes als Wildnis. In Deutschland beträgt die Gesamtfläche der Wildnis gerade mal 0,6 Prozent der Fläche des gesamten Landes. Die restliche Fläche ist entweder städtisch oder landwirtschaftlich geprägt. Das bedeutet, dass wir zum größten Teil in einer Kulturlandschaft leben. Wir leben in einer Landschaft, die durch Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und somit durch unseren gesamten Lebensstil geformt wurde. Wir leben in einer Landschaft, von der wir alle profitieren. Egal, ob wir jagdlich interessiert sind oder vegan leben.

Diese Kulturlandschaft hat die Naturlandschaft abgelöst. Eine natürliche Regulierung, in der alle Tier- und Pflanzenarten in einer notwendigen Populationsgröße überleben können, funktioniert nicht mehr. Tatsächlich war und ist es der Mensch, der dieses natürliche Gleichgewicht durcheinandergebracht hat. Durch wirtschaftliche Interessen aber auch durch sportliche Aktivitäten und der Sehnsucht nach Erholung greift er immer wieder in die Natur ein. Durch dieses Eingreifen werden Tierarten bedroht, während andere Arten überhandnehmen und ökologische als auch ökonomische Schäden verursachen. 

Die natürlichen Regulationsmechanismen, die eigentlich zwischen Beutegreifern und Beutetieren bestehen, existieren nicht mehr wirklich. Das Schalenwild zum Beispiel hat kaum noch natürliche Feinde. Zwar hat sich der Wolf an manchen Stellen wieder angesiedelt, doch auch hier sind – in unserer Kulturlandschaft – Konflikte langfristig vorprogrammiert. Gerade die Weidewirtschaft und die Freilandhaltung wird durch die Anwesenheit des Wolfes beeinträchtigt. Doch das ist ein eigenes Thema, dem ich an anderer Stelle etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen möchte. Nur so viel möchte ich sagen: Ich bin kein Gegner des Wolfes. Ich mag dieses Tier. Doch glaube ich einfach, dass eine unkontrollierte Ausbreitung in unserer Landschaft nicht funktionieren kann.

Jagd bedeutet mehr als Abschuss.

Mein Bild der Jägerschaft beruhte lange Zeit auf jenem, welches ich mir als Kind gezeichnet hatte. Männer in grün, die im Herbst über Äcker und Wiesen gehen. Männer, die über Land ziehen, um Wild zu erlegen. Nie habe ich mir die Mühe gemacht, dieses Bild, mein Bild, selbstkritisch zu hinterfragen. Erst ab dem Moment, ab dem ich mich mit der Naturfotografie befasst habe und dadurch intensiver mit Jägerinnen und Jägern ins Gespräch kam, veränderte es sich. Ich bekam Einblicke in die Arbeit, die mit der Jagd einher geht und stellte fest, dass sich gute Jägerinnen und Jäger immer in den Momenten auszeichnen, in denen ihr Finger gerade bleibt. Nur leider werden diese Momente selten nach außen transportiert. 

Ich sah, wie Wildäcker, Hecken und Biotope angelegt oder Müllsammelaktionen durchgeführt wurden. Nistkästen wurden aufgehängt und Blühstreifen an den Rändern der Maisackerflächen bepflanzt, die nicht nur dem jagdbaren Wild, sondern der gesamten biologischen Vielfalt zugute kamen. Die Jägerinnen und Jäger machten sich Gedanken darüber, wie sie das Wild vor dem Tod im Straßenverkehr effektiver schützen können und wie die Anzahl der getöteten Kitze bei der Grasernte minimiert werden kann. Ich traf Jägerinnen und Jäger, die sich Urlaub nahmen, Kontakt mit den Landwirten der Region aufnahmen und dafür sorgten, dass diese den ersten Grasschnitt in der Nacht durchführten. Einfach, weil bei den niedrigeren, nächtlichen Temperaturen die kleinen Kitze in den Wärmebildkameras der Drohnen leichter zu sehen waren.

Die Jägerinnen und Jäger, die ich in der letzten Zeit kennenlernen durfte, haben mich durch ihr Wissen über die Natur, die Zusammenhänge und die Fachkenntnis über die Tier- und Pflanzenwelt stark beeindruckt. Viele meiner Argumente, die ich für richtig hielt, haben sie mit Ruhe und Sachverstand widerlegt und mir ihre Argumente nähergebracht, die für mich dann tatsächlich sinnvoll und richtig erschienen. Auch das Argument, dass sich die Natur in der Kulturlandschaft nicht alleine regulieren kann, machte für mich, bei näherer Betrachtung Sinn. Was für mich diesbezüglich wirklich wichtig war, war zu verstehen, dass der romantische Blickwinkel, den ich auf die ganze Sache hatte, mit der Realität leider nicht vereinbar war. 

Die Jagd ist wichtig.

Natürlich möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass es unter den Personen, die ich kennengelernt habe, auch Menschen gab, denen es nur um den Abschuss ging. Menschen, denen die Hege und die Pflege des Wildes und der Natur nicht sonderlich wichtig erscheint. Aber von diesen einzelnen Personen einen Rückschluss auf die gesamte Jägerschaft zu schließen ist genauso falsch, wie aufgrund einiger militanter Tierschützer die gesamte Tier- und Naturschutzbewegung zu verurteilen. Ich persönlich glaube, dass die Erhaltung, die Pflege und der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt nur auf einem gesunden Mittelmaß möglich ist.

Abschließend möchte ich sagen, dass sich meine Meinung über die Jagd in den letzten Jahren, in denen ich mich intensiv mit der Thematik beschäftigt habe, sich wirklich verändert hat. Der Gedanke, dass Jägerinnen und Jäger nur Menschen sind, die sich es zur Aufgabe gemacht haben, ausschließlich Wild zu erlegen, existiert nicht mehr. 

Ich weiß heute, dass Jagd mehr ist als der pure Abschuss. Viel mehr bin ich davon überzeugt, dass die Jagd im Ganzen betrachtet, die Voraussetzung dafür ist, dass wir die Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft überhaupt erhalten können. Ich habe begriffen, dass die Jägerinnen und Jäger reguliert durch die Gesetze der Jagd in diverse Vorgänge eingreifen, die in einer wirklichen Naturlandschaft, von der wir leider nicht mehr zu viel haben, von selbst ablaufen können. 

Die Tatsache, dass wir in einer Landschaft leben, die durch Verkehr, Industrie und auch durch die Landwirtschaft geprägt ist, trägt dazu bei, dass wir es letzten Endes sind, die die Artenvielfalt in der gesamten Natur gefährden. Erst wenn wir damit beginnen, der Natur wieder ihren ursprünglichen, unberührten Raum zu geben, können wir darüber nachdenken, ob die Jagd überhaupt noch zeitgemäß ist. Aber bis wir diesen Zustand erreicht haben, müssen Jägerinnen und Jäger in die natürlichen Vorgänge eingreifen, um die Artenvielfalt wirklich langfristig erhalten zu können.

Ein Hochsitz. Mitten im Wald. Im Herbst. Umgeben von goldbraunem Herbstlaub, dass in der Abendsonne zu glänzen beginnt. Der letzte Duft des Sommers liegt noch in der Luft, während die erste Kühle des Herbstes langsam durch den Wald weht. Wie verlockend es doch wäre, von diesem Hochsitz aus, in den frühen Abendstunden, das Wild zu beobachten.

Ehrlich gesagt, als Kind habe ich mir nie wirklich Gedanken über einen Hochsitz gemacht. Sie waren einfach da. Mitten auf dem Feld oder am Rand des Waldes. Meistens waren sie offen und es war stets ein leichtes, auf ihnen Platz zu machen. Ärger habe ich dafür nie bekommen. Wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, dass es nie wirklich jemand mitbekommen hat. Ich war allein und von Zeugen weit und breit keine Spur.  

Auch Jahre später habe ich mir nie Gedanken gemacht. Jeder Hochsitz war über die Jahre ein gewohnter Teil des gesamten Bildes geworden. Sie gehörten zur Landschaft wie die Bäume, die Flüsse oder die Seen. Sie waren immer da. An manchen Stellen verschwanden sie, an anderen tauchten sie wieder auf. Allerdings wurden sie für mich, im Laufe der Jahre, uninteressant. Auf ihnen herumklettern? Die Zeiten waren längst vorbei. 

Darf ich eigentlich einfach auf einem Hochsitz Platz nehmen?

Es war im Sommer. August 2019. Der Wald war voller Laub, der an einem heißen Tag kühlenden Schatten spendete. Es war gegen Abend. Eine befreundete Jägerin lud mich ein, von einem Hochsitz aus Damwild zu beobachten. Eine Einladung, die ich nicht abschlagen konnte und erst recht nicht wollte. Auf leisen Sohlen, ohne ein Wort zu verlieren, schlichen wir durch den Wald. Wir achteten auf jeden Schritt, versuchten so gut es uns möglich war, keinen Ast zu brechen und kamen irgendwann an einem Hochsitz an, der den Blick auf eine Lichtung bot. Lautlos stiegen wir die Leiter empor und nahmen Platz. Nun hieß es warten. Warten. Warten. Und nochmal warten.

Zwischendurch wechselten wir ein paar Worte. Im Flüsterton. Gerade hörbar. Ich sagte, dass es schon interessant sei, auf einem Hochsitz zu sitzen und merkte an, dass ich das vielleicht öfter mal tun sollte. Die Jägerin lachte. „Dann hol Dir vorher eine Genehmigung. Du kannst nicht einfach auf einem Hochsitz Platz nehmen. Erlaubt ist das nicht.“ Ich war – zugegeben – etwas erstaunt über diese Antwort. Aber je mehr ich in der Stille darüber nachdachte, desto mehr erschloss sie sich mir. Eigentlich war die Sache klar. 

Ein Hochsitz ist eine jagdliche Einrichtung. Sie sind immer Eigentum der jagdausübungsberechtigten Personen. Sprich der Jagdpächterinnen und Jagdpächter. Sie sind keine öffentlichen Aussichtstürme, die von den Gemeinden, Städten oder anderen touristischen Einrichtungen aufgestellt wurden. Dementsprechend ist das Betreten dieser jagdlichen Einrichtungen verboten und kann unter anderem auch Probleme nach sich ziehen.  

Mehr als nur ein Hochsitz.

Wir hatten Glück. Nach einer guten Stunde des Wartens und fast der gleichen Zeit des Schweigens zeigte sich das Damwild. Er äste auf der Lichtung und verschwand nach einiger Zeit wieder. Wir taten es ihm gleich und verließen den Hochsitz. Auf dem Weg zum Auto sprachen wir wieder in normaler Lautstärke.  

Ich erfuhr einiges zu diesem Thema. Ein Hochsitz gehört zu den Ansitzeinrichtungen, die der Jägerin oder dem Jäger bei der Ausübung der Jagd als Ansitzplatz dienen. Je nach Art und Weise, wie sie errichtet wurden, bieten sie nicht nur Schutz vor der Witterung, sondern auch zusätzliche Deckung. Es gibt Leitersitze, Hochsitze, Kanzeln, Klettersitze und Drückjagdböcke. Vielleicht auch noch mehr, allerdings habe ich diese nicht mehr im Gedächtnis. 

Diese jagdlichen Einrichtungen ermöglichen ein sicheres Erkennen und Ansprechen des Wildes. Mit „Ansprechen“ ist das Beurteilen der Tiere gemeint. Der Hochsitz bietet darüber hinaus den Vorteil, dass durch seine erhöhte Form die Flugbahn der Kugel einen spitzeren Winkel hat. Der Erdboden unterhalb des Hochsitzes dient somit als natürlicher Kugelfang, falls die Geschosse ihr Ziel verfehlen. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei einigen dieser jagdlichen Einrichtungen die jagdausübende Person über dem Wind sitzt und der Geruch dieser Person vom Wild nicht mehr wahrgenommen wird.  

Der Hochsitz – zum fotografieren ungeeignet.

Das Erlebnis, von oben das Damwild ungestört zu beobachten, war schon großartig. Das gebe ich zu. Und ich bin wirklich dankbar, dieses Erlebnis erlebt haben zu dürfen. Allerdings – aus meiner persönlichen, fotografischen Meinung heraus – bin ich als Fotograf nicht daran interessiert, auf einem Hochsitz Platz zu nehmen. Der Winkel, aus dem heraus ich das Wild fotografieren kann, ist von dort nicht wirklich schön. Falls also jemand aus diesem Motiv heraus eine jagdliche Einrichtung besteigen möchte, sollte sich noch mal darüber Gedanken machen, ob ein Foto aus Bodennähe nicht vielleicht doch die schönere Variante ist. 

  

Jagdhunde. Für Jägerinnen und Jäger sind sie oft ein wichtiges Werkzeug bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Tatsächlich sind sie aber viel mehr als nur ein Werkzeug. Berufsjäger z.B. verbringen viel Zeit alleine auf weiter Flur oder im tiefen Wald. Die Jagdhunde sind daher oft die einzige Gesellschaft und daher treue Begleiter und Freunde fürs Leben.      

Ich bin kein Jäger. Trotzdem habe ich einen Jagdhund an meiner Seite. Einen Weimaraner-Rüden. Andor ist sein Name. Manchmal betitele ich ihn aber auch als meinen grauen Schatten, einfach weil er fast immer in meiner Nähe ist. Die Hündin auf dem Foto ist Emma. Emma ist eine Deutsch Kurzhaarhündin. Sie ist fast so alt wie Andor. Sie ist die treue Begleiterin eines Jägers, den ich aus beruflichen Gründen fotografiert habe. In einem anderen Kontext. Auch Emma kam mir an diesem Tag wie ein Schatten vor, denn auch sie wich ihrem Besitzer kaum von der Seite.

Als ich mit dem Jäger, der gleichzeitig Landwirt ist und um die 250 Milchkühe in Weidehaltung hält, über die Felder lief, sprachen wir hin und wieder über die Jagd. Dabei streichelte er einmal über den Kopf seiner Hündin und erwähnte beiläufig, dass die Jagd ohne Hund Schund sei. Ich erkannte damit gleich, dass dieser Jäger den Grundgedanken der waid- und tierschutzgerechten Jagt verinnerlicht hatte. Denn diese wäre ohne Jagdhunde einfach nicht möglich. 

Keine waidgerechte Jagd ohne Jagdhunde

Das macht auch Sinn, denn Jagdhunde sind für die Ausübung einer waidgerechten Jagdausübung zwingend erforderlich. Manchmal kommt es vor, dass ein Tier bei der Jagd angeschossen oder durch einen Unfall im Straßenverkehr verletzt wird. Dann flüchtet das Tier und die Aufgabe des Jägers bzw. der Jägerin ist es, dieses verletzte Tier zur Strecke zu bringen. Die Sinne eines Menschen reichen allerdings nicht aus, um dieses Wild zu finden. Hier beginnt dann (unter anderem) der Einsatz der Jagdhunde. Diese stellen sich mit all ihren Sinnen in den Dienst der Jägerin bzw. des Jägers und spüren das Wild auf. Auf diese Art und weise helfen die vierbeinigen Gefährten dabei, dass angeschweißte bzw. verletzte Tier von seinen Leiden zu erlösen.

Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet ist natürlich klar, dass nur brauchbare und geprüfte Hunde zur Jagd eingesetzt werden dürfen. Und genau deswegen ist die Führung eines zielgerichtet gezüchteten und gut ausgebildeten Jagdhund ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil der Jagd. Auch heute noch. Die Hilfe der Jagdhunde ist immer noch unentbehrlich.

Nun gut. Im Gegensatz zu Emma ist mein Hund, Andor, weder ausgebildet noch geprüft. Er ist ein Weimaraner. Ein Jagdhund. Ein Vorstehhund. Das bedeutet, dass er ein Hund ist, der gerne arbeiten will. Und das muss er auch. Schon früh habe ich verstanden, dass ich ihn auslasten muss, damit er am Abend zufrieden und müde einschlafen kann. Lange Spaziergänge, Kopf- und Sucharbeit waren daher die letzten Jahre wichtige Bestandteile des Tages. Manchmal hat es nicht so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe, was mir dann mit intensiven Blicken quittiert wurde. Ehrlich gesagt, manchmal hab ich mich schon gefragt, wer eigentlich der Chef im Hause ist. Natürlich mit einem lachenden Auge.    

So viele Jagdhunde

Jagdhunde gibt es viele. Es gibt Vorstehhunde, Schweißhunde, Bracken, Stöberhunde, Teckel, Terrier und Apportierhunde. Und jede Art hat ihre Stärken und Schwächen. Ich persönlich finde, dass Jagdhunde ein unfassbar spannendes und interessantes Thema sind. Deswegen möchte ich mich zukünftig auch intensiver mit ihnen und ihren Eigenschaften beschäftigen.

Ich möchte gerne Züchterinnen und Züchter kennenlernen, Jägerinnen und Jäger mit ihren Hunden fotografieren und immer mal wieder auf die Tiere, ihre Besonderheiten und Eigenheiten eingehen. Ich glaube ja, dass das Gut werden könnte.   

Waidmannsheil. Der gebräuchlicher Gruß unter Jägerinnen und Jägern. Die Antwort auf diesen Gruß? Waidmannsdank. Jedenfalls dann, wenn etwas erlegt wurde. Ist das nicht der Fall, lautet die Antwort schlicht und ergreifend ebenfalls Waidmannsheil. Und nach der Jagd? Da wird angestoßen. Mit dem Becher in der linken Hand.       

Es ist ein wunderschöner Abend im Juli. Zwanzigzwanzig. Hinter dem Hain geht die Sonne unter und taucht die Wiese, die vor dem kleinen Wäldchen liegt, in ein wunderschönes Licht. Am Rande dieser Wiese, vor dem Wäldchen, steht ein Hochsitz. Gezimmert aus massivem Eichenholz. Nicht besonders, aber trotzdem schön. Ich selbst sitze auf einem schmalen Brett und lasse meinen Blick über die Wiese schweifen. Ein Rehbock läuft ganz gemächlich auf den Hochsitz zu. Ob ich abdrücke und das Tier erlege? Nein. Ich bin kein Jäger. Ich habe keinen Jagdschein. Doch die Person neben mir, die an diesem Ort jagdausübungsberechtig ist, dürfte abdrücken. Macht es aber nicht. Aus verschiedenen Gründen. 

Seit gut zwei Stunden sitzen wir stillschweigend nebeneinander. Es fällt kein Wort. Kein Ton. Niemand sagt etwas. Stattdessen blicken wir nichtssagend über die Wiese und warten. Zugegeben. Es klingt langweilig. Ist es aber nicht. Im Gegenteil. Die Stille, die Weite, die untergehende Sonne, die verschiedenen Gerüche und Laute – all das geschieht in einem harmonischen Zusammenspiel und lässt mich die Strapazen und Sorgen des Alltages vergessen. Ich schalte vollkommen ab und komme innerlich zur Ruhe. Und während Christian immer mal wieder durch das Zielfernrohr seiner Waffe blickt, lasse ich meinen Blick durch den Sucher meiner Kamera über das Feld schweifen. Immer noch nichtssagend. 

Waidmannsheil. Wer sagt so etwas?

Waidmannsheil

Der Abend schreitet voran und bringt Dunkelheit mit sich. Irgendwann verlassen wir den Ansitz und schleichen zurück zum Auto. Still. Leise. Christian trägt die ungeladene, geöffnete Waffe mit dem Lauf steil nach oben. Am Auto selbst, das ein ganzes Stück vom Hochsitz entfernt ist, fällt das erste Wort. Wir unterhalten uns über das Revier, die Tiere und die Jagd. Tatsächlich lerne ich gerade eine ganze Menge, als ein anderer Geländewagen über den alten Feldweg fährt. Der Fahrer kurbelt die Scheibe runter. Ein weiterer Jäger. „Waidmannsheil“, sagt er. „Waidmannsheil“, antwortet Christian. Ich lächle leise. „Moin.“ Einfach, weil ich gar nicht weiß, was ich sagen soll und ich keine Ahnung habe, ob ich als Nichtjäger überhaupt Waidmannsheil wünschen darf. 

Waidmannsheil, ist der Gruß, der unter Jägerinnen und Jägern Verwendung findet. Aber ich bin kein Jäger. Ich habe keinen Jagdschein und ehrlich gesagt, aktuell spiele ich nicht mit dem Gedanken diesen zu erwerben. Aus verschiedenen Gründen. Aber nicht, weil ich etwas gegen die Jagd habe. Im Gegenteil. Ich bin, was dieses Thema betrifft, mittlerweile sehr aufgeschlossen und konnte in den vergangenen Jahren einige Vorurteile abarbeiten. Einfach, weil ich mich intensiv damit beschäftigt habe. Womit ich mich aber nicht beschäftigt habe ist, ob ich – als Nichtjäger – Waidmannsheil wünschen darf.   

Naja. Gut. Keine Jägerin und kein Jäger wäre (wahrscheinlich) böse, würde ich ihr oder ihm ein ernst gemeintes Waidmannsheil wünschen. Es wäre ja seltsam, wäre jemand nicht damit einverstanden, dass ich ihm etwas Gutes wünsche. Allerdings kann ich natürlich nicht erwarten, dass ich einen derartigen Wunsch zurückbekomme, schließlich bin ich kein Waidmann, sprich kein Jäger. Und trotzdem frage ich mich manchmal (immer noch) ob ein derartiger Wunsch aus meiner Position heraus richtig ist oder ob es vielleicht albern, wenn nicht sogar anmaßend wirkt. Ehrlich gesagt? Ich weiß es nicht.  

Einfach mal gefragt.

In den letzten Jahren war ich immer mal wieder mit verschiedenen Jägerinnen und Jägern im Gespräch. Einige traf ich bei kleinen Wanderungen im Feld, andere an anderen Orten. Und neben dem üblichen Smalltalk, warf ich immer mal wieder die Frage in den Raum, wer überhaupt Waidmannsheil wünschen darf. Die Antwort war im Grunde genommen immer die Gleiche. Waidmannsheil ist ein Gruß innerhalb der Jägerschaft. Das stand außer Frage.

Aber niemand der Personen, mit denen ich gesprochen hab, hat ein wirkliches Problem damit, wenn auch Nichtjägerinnen oder Nichtjäger diesen Wunsch bzw. diesen Gruß aussprechen. Allerdings reichte mir das nicht. Ich wollte wissen, wie Menschen dazu stehen, die mich persönlich nicht kennen. Also startete ich eine kleine Umfrage in einem Jagdforum innerhalb eines sozialen Netzwerkes

Dort war es ähnlich. 959 Personen waren damit einverstanden, dass Nichtjägerinnen und Nichtjäger ein Waidmannsheil wünschen. Lediglich 35 Personen waren nicht sonderlich damit einverstanden. Und natürlich war es einigen schlichtweg egal, was ich natürlich auch sehr gut verstehen kann.

Abschließend würde ich also einmal behaupten, dass jede Person einer Jägerin oder einem Jäger ein Waidmannsheil wünschen darf. Das Nichtjägerinnen und Nichtjäger allerdings kein Waidmannsheil bzw. ein Waidmannsdank erwarten dürfen, ist sicherlich klar. Und ob man, wenn man sich nicht in jagdlichen Kreisen befindet einer jagdlichen Person ein Waidmannsheil wünschen möchte, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.